19. Verhandlungstag im Hirsch-Q-Prozess

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Der 19. Verhandlungstag im Hirsch-Q-Prozess begann am Freitag dem 24. Januar 2014 um 9 Uhr. Als Zeuge war Frank L. geladen, der gemeinsam mit seinem Rechtsbeistand zur Vernehmung erschien. Die Vernehmung zog sich lange hin, jedoch konnte L. sich auch noch sehr gut an den Vorfall vor über drei Jahren erinnern.

Der 46 Jährige, der von ca. 2009 bis 2010 in der Hirsch-Q als Thekenkraft arbeitete, war am Abend des Überfalls gemeinsam mit seinem Freund Jan P., der auch schon als Zeuge gehört wurde, Gast der Kneipe. Nach Angaben des Zeugen L. begaben er selbst und Jan P. sich zum nahegelegen Kiosk um Tabak zu kaufen und besuchten im Anschluss noch einen Döner-Imbiss auf derselben Straßenseite. Auf dem Rückweg zur Kneipe, sahen die beiden eine Gruppe von Nazis, welche sich mit den Worten „Wie sieht’s aus, Lust eine Runde zu spielen?“, an die beiden Männer wandten.

Diese Frage kam, laut Angaben des Zeugen, von einer männlichen Stimme. Da sich die Gruppe der Nazis in der Überzahl war, verschwanden der Zeuge und sein Begleiter schnell wieder in der Hirsch-Q. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen des Zeugen mit Angriffen auf die Lokalität, forderte er die diensthabende Thekenkraft nach eigenen Angaben lauthals dazu auf, die Polizei zu rufen, da er von einem Konflikt ausging. Den genauen Wortlaut konnte der Zeuge nicht rekonstruieren und konnte daher weder bestreiten noch bejahen, den Ausruf „Nazi-Angriff“ getätigt zu haben.

Kaum, dass er zu Ende gesprochen habe, hätte er auch schon einen lauten Knall an der Scheibe vernommen. Danach überschlugen sich die Ereignisse. Ein paar Personen rannten aus der Kneipe heraus, er selber griff sich den unter der Theke befindlichen Baseballschläger und bemerkte vor der Hirsch-Q, wie Jan P. auf dem Boden liegend getreten wurde. Der Zeuge gab auch an, ein Pfefferspray entgegengenommen zu haben und dieses anschließend direkt weiter nach hinten gereicht zu haben.

Auf die Scheibe einwirken

In einem kurzen Moment hatte er Zeit, zusammen mit anderen Jan P. wieder in die Kneipe zu ziehen. Zwei Frauen und ca. vier Männer wirkten mit Tritten auf die Scheibe ein, um diese zum Bersten zu bringen. Ein Stuhl, der nach draußen gelangt war, diente den Angreifern auch dazu, auf die Scheibe einzuwirken. Gemeinsam mit dem Zeugen Dirk A. habe der Zeuge Frank L. die Tür der Kneipe zugehalten, bis diese von außen gewaltsam geöffnet wurde. Danach habe er Dirk A. aus den Augen verloren. Mit dem Baseballschläger schlug der Zeuge auf den Angreifer ein und traf ihn dabei wohl auch am Kopf und an der Hüfte. Der Angreifer ging zu Boden, zog sich aber wie die anderen Angreifer zurück, als die Polizeisirenen zu hören waren.

Frank L. konnte sich nicht daran erinnern, dass bevor der Angriff los ging und er die Gruppe der Nazis bemerkt habe, auch andere Personen vor der Kneipe waren, welche eine Flüssigkeit in Richtung der Nazis schütteten. Dies wird von den Anwälten der Angeklagten gerne als provozierender Akt gesehen, der den Angriff erst ausgelöst habe. Ein schwacher Versuch, schwere Körperverletzung und Sachbeschädigung zu rechtfertigen.

Auf Nachfragen der Rechtsanwältin der Nebenklage, gab der Zeuge an, damals schon drei der Nazis erkannt zu haben. Dabei soll es sich um die angeklagten Brüder Sven und Jan K. und den Angeklagten Patrick B. gehandelt haben. Auch belastete der Zeuge den Angeklagten Sven K.. Er gibt an, dieser wäre unter den Personen gewesen, die versucht haben, die Fensterfront zum Einbrechen zu bringen.

Pöbelnde Angeklagte

Das Benehmen der Angeklagten vor Gericht, lies, wie im Grunde an allen vergangenen Verhandlungstagen zu wünschen übrig. Dieses Mal musste jedoch der vorsitzende Richter den Angeklagten Jan K. zur Ordnung rufen. Grund dafür war die Nachfragen vom Anwalt P., welcher den Angeklagten Patrick B. vertritt, ob auch Hunde gelegentlich in der Kneipe waren (was den Besitz und möglichen Gebrauch des Pfeffersprays erklären sollte), die Jan K. mit einem spöttischen „Nur“ kommentierte. Darauf verwies der Rechtsbeistand des Zeugen, woraufhin der Richter den Ordnungsruf vollzog.

Am Mittag wurde im Anschluss an diese Vernehmung noch der 30-jährige Journalist Sven P. vernommen. Dieser habe nach eigenen Angaben zuvor schon einmal von der Hirsch-Q gehört, befand sich am besagten Abend aber zum ersten Mal dort. Zum Zeitpunkt Angriffes, hatte der Zeuge allerdings die Kneipe mit seinen Freunden schon verlassen und befand sich in einer benachbarten Kneipe.

Dort vernahmen sie dann den Krach und sahen eine Gruppe von Nazis, die mit Tritten und Schlägen auf die Fensterfront der Hirsch-Q einwirkten. Außerdem erinnerte sich der Zeuge daran, dass Gläser aus der Hirsch-Q heraus geflogen seien. Weiter konnte der Zeuge P. sich nur noch daran erinnern, dass Personen aus der Kneipe kamen, als die Angreifer sich zurück zogen und dass eine Person auf dem Boden lag. Diese Person ordnete er den Angreifer*innen zu

Beim nächsten Prozesstermin am kommenden Montag den 27. Januar sind die damaligen leitenden Staatsanwälte geladen. Der Prozess beginnt um 10.30 Uhr.

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